Samstag, 1. September 2007

Da steh’ ich nun, ich armer Tor und bin nicht schlauer wie zuvor…

Es ist Samstag, dreiviertel acht am Morgen (ich schreibe den Bericht vor, da ich ja leider über keine Flatrate mehr verfüge: also wundert euch nicht, wenn die Blog-Zeit abweicht). Nachdem ich eine geschlagene Stunde probiert habe, noch mal wegzupennen, kapituliere ich nun endgültig und wende mich gleich den essentiellen Dingen zu. Hier also der aktuelle Bericht: Wohnung toll, Mitbewohnerin supernett, Wetter gut und zu allem anderen komme ich gleich ausführlicher. Und los geht’s, ich hoffe, ihr seid bereit und angeschnallt, dass wird wieder ziemlich viel Text. Am Montag startete mein 6-Tages-Training bei der Mojo Group. Nach zwei Beschnupperrunden in der Woche zuvor, hatte ich mich also qualifiziert, an der „Gehirnwäsche“ teilzunehmen. Zunächst standen zwei Tage Produkttraining auf dem Programm, ein Tag davon war auch wirklich ganz gut, den anderen konnte man inhaltsmäßig knicken. Da wird echt viel Geld zum Fenster rausgehauen. Zu viele Typen die eigentlich gar keinen Plan haben, Fragen nicht beantworten aber schlicht und einfach da sind und bezahlt werden (habe das natürlich auch gleich angemerkt, Prozessoptimierung und so *zwinker*). Nunja, mit einem gesunden Halbwissen, das für den Job eigentlich tödlich ist ;-), ging es am Mittwoch ins Feld. Und da kann man wirklich was lernen, in jeglicher Hinsicht. Hier sind ja alle so motiviert…das geht früh am Morgen schon los mit dem Teammeeting. Alle stehen im Kreis, klatschen und tanzen nach dem Beat, der gerade da ist, und feiern sich gegenseitig. Ab und zu machen sie auch lustige Spielchen wie die Reise nach Jerusalem (in etwas abgeänderter Form ohne Stühle) oder vollführen Rituale wie „ring the bell“. Das muss ich genauer erklären, da dieses Erlebnis gestern echt einschneidend war. Da werden in ein paar Jahren meine Therapeuten viel Geld mit verdienen….Also: Wir stehen alle noch in dem Kreis der Selbstbeweihräucherung und in der Mitte ist ne Glocke und ein Gong. Jetzt muss nacheinander jeder einzeln zu diesen „Instrumenten“ rennen, sie läuten oder schlagen (läuten für Verkauf generell, gongen bei Überschreiten gewisser Zielvorgaben), und anschließend total enthusiastisch durch den Kreis rennen und die Kollegen (circa 30) abklatschen…..Ja, das habe ich gestern gemacht….so albern kam ich mir wohl noch nie im Leben vor. Während man bei dem ganzen anderen Ringelpietz als gebildeter, „ausgewachsener“ (der Altersschnitt des Teams liegt bei circa 21 Jahren) Europäer noch amüsiert von außen zuschauen kann, wird man in diese Situation regelrecht reingenötigt. Nunja, mit der entsprechenden Portion Zynismus ist auch das zu überwinden, hoffe ich *bibber*. Wenn diese Prozeduren erstmal überstanden sind, geht es an die eigentliche Arbeit. Jeden Tag führt der Weg in eine andere Mall (auch bekannt als Einkaufszentrum). Dort dann Stand aufbauen und Leute anquatschen. Hier bin ich echt ein wenig gehandicapt. Was ich im Deutschen möglicherweise souverän gehandhabt hätte, ist auf Englisch ‚ne echte Herausforderung. Da bin ich einfach nicht spontan genug…und den Leuten hinterher zu brüllen “Ey, kommt zurück, ich weiß jetzt, was ich sagen will….!“ ist ja auch nicht wirklich erfolgsversprechend. Zudem verstehe ich manche Passanten auf die Entfernung auch oft nicht (insbesondere wenn die Kaufhausdudelmusik voll aufgedreht ist) und kann dementsprechend nicht in meiner gewohnt liebenswürdigen Art reagieren. Das nervt mich selbst am meisten!!! Ich bin mir auch generell nicht sicher, ob ich in dieses Team passe und es das ist, was ich will. Habe inzwischen aufrichtigen Respekt vor jedem Vertriebler, diesen Job muss man echt lieben, sonst hat man verloren. Mir graut derzeit davor, jemandem etwas zu verkaufen, worüber ich nicht eloquent genug Auskunft geben kann. Beim Kundengespräch kommt es ja auch echt auf Feinheiten der Wahrnehmung und Kommunikation an, in der „fremden“ Sprache bin ich dabei ganz schön aufgeschmissen, es kommt noch erschwerend hinzu, dass ich im Produktwissen nicht fit genug bin, habe schließlich vor 7 Tagen das erste Mal überhaupt von Optus gehört. Derzeit ist es eher so, dass ich mich davor fürchte, Verträge abzuschließen und Leuten etwas „aufzuschwatzen“. Echt geniale Einstellung bei dieser Sache! ;-). Alleine wäre ich wohl echt verloren und das „betreute Arbeiten“ endet mit dem Training am Montag. Dann bin ich echt im Dilemma. Einerseits kann man ganz gutes Geld machen, wenn, ich betone WENN!, der Erfolg da ist. Zudem lernt man wirklich einiges. Aber es steckt auch ne Menge Arbeit dahinter. Es ist ein Zwölf-Stunden-Tag (von 7 a.m. bis 7 p.m.) und es wird auch Arbeit am Samstag erwartet (sie nennen es „Empfehlung ;-)). Ich bin ja von IBM durchaus Überstunden gewöhnt, aber das finde ich doch ein wenig viel. Schließlich bin ich nicht nur zum Arbeiten hier. Naja, dass ich nicht ganz die Richtige für den Job bin, ist den anderen vielleicht ja auch schon aufgefallen. Montag muss ich eh noch ´nen Test machen, vielleicht sprechen sie mich dann darauf an. Wenn nicht muss ich selbst mit meinen Bedenken rausrücken. Will ja wirklich keinen enttäuschen, insbesondere nicht Dan, der mich für dieses bezahlte Training empfohlen hat (ich hoffe, ich werde noch bezahlt), aber ich zweifle echt daran, dass ich ein Gewinn für die Firma bin. Das muss ich mir am Wochenende alles noch mal durch den Kopf gehen lassen. Montag probiere ich mich in jedem Fall noch mal aus, um das Training abzuschließen. Die Leute sind ja auch sehr nett, waren gestern nach der Arbeit in kleinerer Runde noch etwas trinken und das war wirklich ganz normal und entspannt….hach, ich bin so unentschlossen…..

Jetzt aber mal zu den wirklich angenehmen Ereignissen der letzten Tage. Christian ist zurück und wir gehen heute zum Riverside Festival. Vorher holt er mich noch zum Großeinkauf ab, dass ich endlich mal einen Nahrungsgrundstock aufbauen kann. Meine Wohnung (am Dienstag war der Umzug) finde ich nach wie vor super, Kathy ist auch ne ganz angenehme Zeitgenossin (siehe dazu die Bilder). Ansonsten werde ich das Wochenende nutzen, um das erste Mal zu waschen, noch ein wenig organisatorischen Kram zu erledigen, mich zu entspannen und doch noch mal die Optus-Produktpalette zu überfliegen für Montag, auch wenn ich auf meinen Wegen immer schon die Augen nach `nem anderen Job aufhalte. So, jetzt muss ich mal in die Gänge kommen. Achja, Frage an die Experten. Habe mir ein Dial-Up Paket gekauft, um ins Internet zu kommen. Das klappt auch alles ganz gut, allerdings kann ich keine Mails mehr versenden. Wisst ihr, woran das liegen könnte? Sonst ist das mit dem Kontakthalten echt doof ;-).

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Rebecca,

ich hab mir jetzt alle deine Beiträge zu deinem Down-Under-Abenteuer durchgelesen. Sehr amüsant und lehrreich, das Ganze! Bin gespant wie es dir weiter ergeht, du Sales Talent. Stell mal noch ein paar mehr Bilder rein.

Liebe Grüße aus Plieningen

LoSi hat gesagt…

Hallo kleine Powerfrau,
wir dachten, du lernst erstmal in Ruhe Land und Leute kennen. Jetzt hast du schon nen Job und ne Wohnung.
Um erfolgreich in dem Job zu sein, darfst du auf jeden Fall nicht zweifeln und um nicht zu verzeifeln an dem Job, darfst du das Ganze nicht ernst nehmen. Erfahrungen bringt es allemal- nichts ist umsonst. Viel Glück wünschen LoSi

Anonym hat gesagt…

hallo becca


hatte endlich mal zeit etwas bei dir zu lesen und bin dank inge und harti auf dem letzten stand.sie waren ja von deinem grenzenlosem selbstvertrauen beeindruckt.wohnung find ich cool und das mit der arbeit wird schon einigermaßen laufen.weiterhin alles gute im land der aussies!!


gruß dirk

Anonym hat gesagt…

Hi Rebecca,

wow, also bei der Jobsuche wäre ich wohl schon verzweifelt. Ich drück die Daumen, dass du bald den passenden findest.
Aber die Wohnung sieht ja echt toll aus.

Ganz liebe Grüße von Sarah

The one and only Pam hat gesagt…

Also die Wohnung ist ja echt der Hammer! :-)
Das mit der Arbeit verstehe ich voll und ganz...aber ehrlich gesagt, aller Anfang ist schwer! ich würde nicht gleich die Flinte ins Korn werfen! ich bin mir nämlich sicher, dass Du das schaffen kannst, wenn Du willst...aber ich versteh auch, dass es schwer ist, etwas zu verkaufen, hinter dem man selber nicht steht...da muss man wohl ein kleines Päckchen an Verlogenheit pder Selbstverarsche mitbringen...was Du wohl nicht tust ;-)
Naja, schaus Dir noch n bisschen an...Du wirst viel dabei lernen und kündigen kannst Du ja immer noch...

Ich schreib jetzt dann acuh mal meinen Blog vom WE...darin alle Infos zum Tauchen...

Viele liebe Grüsse und toi toi toi

Deine Pam