Und hier wieder die prägendsten Erlebnisse der letzten Tage: Eine meiner neuesten Erfahrungen Down Under ergibt sich bereits aus der Überschrift. Ihr könnt es mir glauben, so viele kleine Kinder und schwangere Frauen auf einmal habe ich noch nie gesehen. Nach meinen tagtäglichen Beobachtungen in den Einkaufszentren muss die Bevölkerungspyramide hier das genaue Gegenteil der deutschen sein. Von wegen Rentnerschwemme, da könnte Riester lange quasseln….langsam drängt sich mir der Verdacht auf, dass die Aussies die meiste Zeit in der Kiste oder auf der Entbindungsstation verbringen. Nur so ist erklärbar, dass 80 Prozent der Mädels in meinem Alter im Schnitt schon mindestens zwei Kinder haben. Was hier an dicken Bäuchen und Kinderwägen durch die Gegend schwirrt…nicht zu fassen! Sehr krass ist allerdings auch, wie nah arm und reich hier bei einander liegen (ok, wahrscheinlich kein Vergleich mit irgendwelchen Dritte-Welt-Ländern, aber schon auffällig). An der einen Stelle noch die absolute Elitenzusammenrottung, sieben Kilometer weiter ist man schon froh, wenn die Leute nicht alle barfuß rumrennen. Der helle Wahnsinn. Der Unterschied drückt sich meiner Meinung nach am deutlichsten in der Mundhöhle aus. Zähne sind der absolute Indikator für die Lower und Upper Class. Unglaublich, was für schlechte Zähne bereits die kleinen Kinder der „mieseren“ Viertel haben. In dieser Hinsicht verdanke ich meiner derzeitigen Beschäftigung echt einige Einblicke in das wahre Leben der australischen Großstadt. Nichtsdestotrotz wird immer deutlicher, dass der „Vertrieb“ nix für mich ist. Da fehlt mir wohl einfach die Überzeugung, dass Richtige zu tun (hier nennen sie das „Biss“ ;-)). Ich bekomme jeden Tag meine Beurteilung und jedes Mal fällt das Resümee (egal von welchem Leader) gleich aus: Sei nicht so nett! Dass nenn’ ich mal ne Aussage! Werde immer mit diesen Worten verabschiedet: „Be a bitch!!!“ (für Freunde des Deutschen: Sei ein Luder!). Aber es ist nun mal einfach so, dass ich jeden verstehen kann, der nicht gleich unterzeichen will, weil er erst drüber nachdenken muss. Würde ich nicht anders machen, daher ist es mir an dieser Stelle nicht möglich, zur Blutgrätsche anzusetzen und den Kunden zur Unterschrift zu bringen. Ich gehe stark davon aus, dass ab morgen die letzten beiden Tage meines kurzen Ausflugs in die Welt unabhängigen Verkäufer laufen. Nächste Woche werde ich dann in Ruhe nach was anderem schauen. Eine lustige Geschichte habe ich aber noch: Erinnert ihr euch an die Zeremonie „Ring the bell“? Mir ist da so was Peinliches passiert. Dienstag war es wieder soweit: Kreis, Gong, Glocke und Rebecca mit dem Gefühl, dass sie an der Reihe ist. Will ja nicht unbedingt negativ auffallen durch Verweigerung, also total euphorisch hin, wild geläutet und souverän abgeklatscht. ABER: Hier noch mal die Regeln, nachdem auch ich sie verstanden habe. Recht zum Gongen hat jeder, der am Tag zuvor sechs Verträge zu Stande gebracht hat. Klingeln gilt für diejenigen mit vier Verkäufen und für die Frischlinge, wenn sie den ersten Verkauf hinter sich haben, das Eis also gebrochen ist (letzten Donnerstag fiel ich ja noch in die letztgenannte Gruppe). Jetzt fragt mich mal, was das für ein Gefühl ist, wenn man im Nachhinein mitbekommt, dass man gar nicht dazu berechtigt war, die Glocke zu läuten (ich hatte am Tag zuvor einen! lausigen Vertrag und das auch nur, weil jemand anders im entscheidenden Moment des Kundenfangs für mich eingesprungen ist). Das hat im Nachhinein dann auch die verwunderten Blicke aller anderen bei meinem „Triumphzug“ erklärt ;-). Und auch an dieser Stelle danke ich der Natur, dass sie mich mit der Gabe der Selbstironie gesegnet hat. Dankedankedanke.
Wie ihr seht, birgt jeder Tag neue Überraschungen. Für das Leben lerne ich! Man könnte die Reise hierher fast schon als spirituell bezeichnen ;-). In jedem Fall bekommt man eine ganz andere Sicht der Dinge. Achja, was mir in den letzten Tagen auch immer wieder aufgefallen ist wie in keinem anderen Land zuvor: Sehr häufig kommt das Thema auf den zweiten Weltkrieg, wenn man als Deutsche erkannt wurde (und mein Akzent lässt sich nun wirklich nicht verbergen). Dieses Kapitel der Weltgeschichte samt der Rolle, die Deutschland dabei gespielt hat, scheint hier recht präsent zu sein. Zudem gelten die Deutschen aber auch allgemein als zuverlässig, diszipliniert und schnell….naja, immerhin etwas ;-). Ich hoffe, das hilft mir bei der weiteren Jobsuche.
Fortsetzung folgt….

5 Kommentare:
Hi,Beccy,es ist immer schön, deine Berichte zu lesen.Das war's wohl mit der Freiberuflichkeit. Auf ein Neues! Telefonieren wir wieder am Samstag, ähnliche Zeit. Stichworte: Handy, Fete, Reise und Terror. Infos zu Babys und WK kann ich morgen gleich verwenden.
Liebe Grüße Tina und Betty
Hi,
looool, ich lese immerwieder gerne, was Dir down under passiert...
Du nimmst das ja recht locker - nicht verzweifeln wird schon.
Alles Gute weiterhin und Kopf hoch...
Stüho
na becci
schlägst dich doch prächtig. bin begeistert. aber habe natürlich nix anderes erwartet.
wenn ich deine berichte lese, höre ich dich direkt reden...toll.
aus mihla und esa sonst nix neues zu berichten...
bis denne
aline
hahaha...ich lach mich tot...kanns mir so gut vorstellen, wie du durch den kreis rennst, lachend...und dann feststellst, dass du nicht gongen hättest dürfen ;-) scheiss echt...
übrigens ist das hier oft ganz krass...viele leute hier finden hitler voll toll! bin immer wieder schockiert!!!
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