Sonntag, 30. September 2007

Puh, wass’n Stress

Tataaatataaa, melde mich zurück aus einem wirklich anstrengenden Wochenende. Alles in allem habe ich die letzten beiden Tage 19 Stunden gearbeitet. Was an sich aber auch nicht schlecht ist. Es kommt erstmal wieder Kohle rein und ich kann die nächsten beiden Tage voll und ganz genießen. Los ging’s ja am Samstag früh um acht im Cantina. Was soll ich sagen, der Job macht wirklich Spaß. Das Team ist supernett und lustig, die Atmosphäre entspannt. Da geht die Zeit echt gut rum, das Trinkgeld ist fair verteilt und die Bezahlung anständig. Außerdem kann ich das Cantina uneingeschränkt jedem Gast empfehlen. Zutaten frisch und lecker, alles sauber. Ein wenig anders gestaltet sich die Sache im Black Forest. Das war gestern Abend wie in einer Parallelwelt. Ich war ja schon gut eingestimmt, nachdem mir die Kollegen aus dem Cantina erzählt haben, dass der Chef dieses deutschen „Spezialitätenrestaurants“ vor einigen Jahren richtig Schlagzeilen gemacht hat, nachdem er einen Gast geschlagen hat. Weitere Umstände sind mir nicht bekannt, will ihn auch nicht fragen ;-), obwohl ich mit ihm eigentlich ganz gut zurecht komme. Bin ja die einzige weitere Deutsche da. Seine Frau ist dagegen nicht nur Chinesin sondern auch ein Biest. Liegt vielleicht daran, dass Richard (ihr Mann) mich wohl ganz gut findet. Aber auch alle anderen mault sie eigentlich nur an. Die Truppe dort ist ganz international, die Kellner kommen aus Italien, Kolumbien und Griechenland. In der Küche ist noch ein Mädel aus dem Iran und zwei Asiaten (habe vergessen vorher genau). Mit den dreien hatte ich soviel nicht zu tun, die Jungs sind ganz in Ordnung, insbesondere Dimitri und Sebastian (Sportstudent, war schon in Deutschland und geht bald wieder, diesmal Köln…den mochte ich eigentlich am liebsten). Julio, der Italiener, hat ein wenig die Weisheit mit Löffeln gefressen und mich erstmal zusammenstaucht, nachdem ich an einem Tisch Sekt eingeschenkt habe und das wohl gaaaaaaannnz falsch gemacht habe. Er muss es ja wissen, er hat schließlich in Italien Wein studiert! (was immer das auch heißen mag ;-)). Danach konnte ich mir auch ein Lachen nicht verkneifen als Richard ihn von der Bar weggejagt hat nach einem Totalversagen beim Bier einschenken :-). Den Job hatte ich dann inne. Nicht ohne Stolz behaupte ich, dass ich auf diesem Gebiet Einäugige unter den Blinden bin, selbst besser als Richard, der mir ewig erklären wollte, dass ja jedes Bier anders ist. Hat dann auch mit Argusaugen meine Feuerprobe beobachtet….und, peng, mir das Glas entwendet eh ich fertig war. „Sowas kann man doch nicht servieren, ist ja gar kein Schaum drauf, blablabla….“. Nachdem er mit dieser Ansprache fertig war, habe mir in aller Ruhe das Glas zurückgeholt, meinen Job beendet und ihm eine Schaumkrone gezaubert, dass ihm Hören und Sehen verging (wie ein innerer Parteitag, ich sag’s euch!). Danach hatte ich dann meine Ruhe und mein Platz hinter der Bar war sicher und wurde von Richard verteidigt, selbst wenn mich Eva aka „Der Chinesische Drache“ klammheimlich zu einem neuen Assidienst abgerufen hat. Jedesmal wenn Richard das mitkriegte, stand ich sofort wieder beim Bier und hatte ein relativ stressfreies Leben und Eva den Anschiss ;-). Die Stimmung unter den Angestellten, vielmehr zwischen Herren und Dienern, ist in jedem Fall unter aller Sau, wobei ich da wie gesagt ein wenig außen vor blieb und mehr beobachten konnte als selbst erleben. Aber wahrscheinlich provozierte gerade das auch ein wenig Missgunst der anderen (dabei meine ich insbesondere Julio, dessen italienischer Stolz nach der Bieraktion wohl gelitten hatte), die nur am Rennen waren. Alles ist ein lebendes Klischee! Von den Getränken, die ich einschenke, darf ich selbst nix trinken, nicht mal ne Limo oder so: uns ist Wasser vorbehalten (also ganz anders als im Cantina, njami, ich liebe deren frisch gepresste Säfte….). Zum Essen kann ich nicht viel sagen, die vorbeigetragenen Haxen sahen eigentlich ganz gut aus. Für uns gab es nach Dienstschluss Kartoffelbrei und Hühnerfrikassee, so hieß das zumindest. Liebe Leute zu Hause, deren Küche ich so schätze: Ihr hättet euch kaputt gelacht. Aber eigentlich hatte ich nix anderes erwartet. Man muss sich sicher doch dem Publikum anpassen und ich glaube, es ist auch recht schwierig, an Original-Zutaten ranzukommen. So tut es halt Maggi ;-). Naja wie auch immer, Eva hat mich dann nach Feierabend im Gehalt runtergestuft, obwohl was anderes ausgemacht war. Aber ich wollte mich auch nicht aufregen, letztendlich hatte ich doch einen um einiges leichteren Job als die Jungs. Ich kucke mir das nächste Woche wohl noch mal an und seh’ dann weiter. Ich weiß jetzt eben, dass es auch anders geht dank des Cantinas. Zumindest bin ich jetzt erstmal den Druck des Geldes los, die Jobs sind jetzt sicher: also festhalten und sich weiter - ganz entspannt - umschauen. Lieber wäre es mir, ich finde noch was unter der Woche, da das Cantina mich in erster Linie zu den Stoßzeiten (Samstag und Sonntag in der Früh) braucht, also auch am WE, was auf Dauer ziemlich anstrengend wird. Und unter der Woche dreh ich Däumchen L, sehr krasser Wechsel. Naja, genug davon, nur eins noch: Fotos Im Dirndl habe ich bisher noch nicht, aber es hängt hier im Schrank, werden also im Laufe der Woche nachgereicht. Morgen ist erstmal Kurzurlaub angesagt. Reiseplanung wurde eben beim Essen besprochen (ich habe für Kathy und mich gekocht, Nudelauflauf, was sonst ;-)) und sieht wie folgt aus: Fahren morgen recht zeitig los, da wir um zehn bei Freunden in deren Strandhaus erwartet werden. Dann weiter nach Byron Bay, Hostel suchen und ab zum Gegend erkunden. Bierchen an der Promenade und in die Heia. Dienstag besuchen wir noch kurz Debbie und Familie, die in der Gegend grad Urlaub machen und dann geht’s zurück. Wird bestimmt fetze, hab grad schon den Kamera-Akku geladen und werde gleich noch packen. Ich freu mich!

Freitag, 28. September 2007

Von einem Extrem ins andere...

Anders kann man das wohl nicht bezeichnen. Komme gerade von der Probe für den neuen Job im "Cantina", sehr nettes Bistro bei mir ums Eck. Und: Ich bin im Recall und darf darf morgen früh um acht gleich wieder ran. Dann abends der erste Einsatz im Black Forest. Back to business again: Endlich beschäftigt und dann gleich mit zwei Schichten ;-). Aber besser als die Rumhängerei in der Butze. Freu mich schon und habe auch Hausaufgaben auf: Morgen muss ich perfekt im Tellertragen sein. Habe eben gerade in der Küche mein Experimentierfeld aufgeschlagen und einen kleinen Parcours im Wohnzimmer gebaut, um zu testen, ob das auch wirklich alles stabil sitzt und Hindernisse unfallfrei übersteht. Wahrscheinlich kann Kathy morgen neues Geschirr kaufen :-)). Hach, wenn das wirklich was auf Dauer bis Mitte Dezember ist, wäre es ideal. Kohle stimmt und ich kann gaaaanz viel sprechen, habe schon lauter neue Vokabeln gelernt: leek, lentils, rocket undundund...Ich hoffe, ich verbock's nicht. Die Leute sind echt lässig drauf, sehr entspannte Atmosphäre. Und es bewegt sich gleich was, wurde echt langsam Zeit. Auf den Anruf von Jazzy Cat warte ich wahrscheinlich noch ewig vergebens. Ui, ich sehe grade, bin zum Vorstellungsgespräch nächsten Donnerstag bei Red Hat Linux geladen...cool, wenn auch leider nicht zu realisieren. Hatte mich ja von Deutschland aus schon bei denen beworben, die haben einen Muttersprachler für deutsche Übersetzungen gebraucht. Und, ich bin eingeladen....endlich mal was Positives nach den Rückschlägen der letzten Tage....japp, man muss halt doch für den Moment leben. Leider suchen sie jemanden für ein Jahr in Brisbane....hm, das passt dann wohl nicht so ganz, werde absagen müssen, schade eigentlich. Dann halt nix mit Linux...trotzdem *freu*, dass sie sich gemeldet haben. Am Montag und Dienstag werde ich mit Kathy an den Strand, wahrscheinlich nach Byron Bay, fahren. Sie hat auch frei und freut sich über Gesellschaft....und ich mich über das Auto ;-) und natürlich auch über ihre Begleitung. Wir werden dann entweder im Strandhaus von ihren Freunden pennen oder ins Hostel gehen, je nachdem, wo es uns hinverschlägt. Hui, was hab ich gute Laune. Mit genau der werde ich mich jetzt an unseren Pool verziehen, ein wenig Vorbereitung für den Strand in Sachen "Pigmente haschen" betreiben und entspannen, morgen wird sicher stressig. Amüsier' mich derzeit grad wieder köstlich über das Bohlen Hörbuch. Und ich habe auch ein richtiges Buch (Lesen und so) von Kathy geliehen, auch sehr interessant: A Short History of Tractors in Ukrainian...ein Roman, kein Sachbuch ;-) und superlustig. Also dann, ich denk an euch, während ich auf meiner Liege am Pool bei 30 Grad und Sonnenschein die Zeit totschlage :-).

Mittwoch, 26. September 2007

Ein himmelblauer Trabant....

So, nur ganz kurz da nicht viel Neues. Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, werden seit Neuestem die Besucher der Seite gezählt. Die Idee habe ich mir bei Pam abgekuckt, Dank an dieser Stelle der Urhebe(r)in (Nur für Insider, nicht wahr Frau Eger?). Und jetzt seid ihr gefragt: Bis Ende Oktober ist das erklärte Ziel: 250 Klicks. Sollte doch zu schaffen sein, ich hoffe, das ist spätestens mit den Fotos im Dirndl zu realisieren ;-). Bin ja so gespannt auf Freitag! Ansonsten vielen Dank für das ganze Lob zum Blog *rotwerd*. Da macht das Schreiben doch gleich noch mehr Spaß. Aber ihr könntet ruhig ein wenig mehr kommentieren, sozusagen als Lebenszeichen. Freu mich immer, wenn ich auch mal was zu lesen habe. Und da es von mir nicht soviel zu berichten gibt, zeig ich euch grad mal, was meine Family in meiner Abwesenheit für Schabernack treibt:

Weiter so! Sieht nach Spaß aus....bei der nächsten Sause nach Rückkehr bin ich wieder am Start. Versprochen!

Montag, 24. September 2007

Koalas, Kängurus und Köstritzer

Es ist wieder soweit, Neues aus Down Under. Zunächst mal eine kleine Beichte. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, am Wochenende in Gedanken immer bei der Feier und den Lieben daheim zu sein….aber das war echt schwer, dafür gab es vor Ort zuviel zu erleben. Ich hoffe, ihr seht es mir nach, wenn ihr den Bericht lest ;-). Rebecca durfte endlich Koalas knuddeln und Kängurus füttern. Es war toll! Und so hat sich alles zugetragen: Bin gestern Morgen in sehr netter Begleitung von Kathi und Doreen, den neuen deutschen Praktikantinnen in Christians Firma, Richtung Lone Pine aufgebrochen, ein Koala-Reservat direkt vor den Toren Brisbanes. Und überraschenderweise war es auch gar nicht so voll wie angenommen, trotz Sonntag und Ferienbeginn in Australien (die Winterferien wohlgemerkt!). Also nix wie rein und da waren sie auch schon…..so genial. Ich hatte zwar vorher schon mal Koalas gesehen aber das war kein Vergleich. Als ich seinerzeit mit meinen Eltern in Antwerpen im Zoo war, feierte dieser grade sein 200jähriges Bestehen und hatte als Leihgabe vom Partnerzoo in Sydney zwei dieser Exemplare als Highlight parat. Wobei das Highlight darin bestand, das man zunächst ewig (ich weiß nicht mehr wie lange, aber als Kind kommt einem ja alles über 5 Minuten als eeeeeeewwwiiigggg vor) anstand und anschließend durch einen Raum gedrückt würde, wo man auf ca. 5 Meter an die Tierchen rankam, die eh nur schliefen. Gut, geschlafen haben gestern auch einige, das liegt ja in der Natur der Sache, aber manche waren auch hellwach. Und vor allem: Sie waren direkt vor der Nase! Und sogar Baby-Koalas, die aus dem Beutel lugten. Einfach superniedlich (mit so was kann man ja durchaus mein Herz erweichen!). Nachdem die erste Freude ob dieser possierlichen Tierchen überwunden war, ging es weiter zu Possums, Lorikets, Dingos, Schildkröten, Kookaburras, Merinoschafen, Krokodilen, Emus, Schlangen, Echsen, Schweinen, Hühnern und last but not least: Kängurus und Wallabies. Mit den Futterbeutelchen ausgerüstet ging es also ins Streichelgehege. Und nachdem die ersten Berührungsängste überwunden waren, haben wir es uns für geraume Zeit unter den Beuteltieren gemütlich gemacht und Freundschaften geschlossen. Wenn der Unterleib nicht wäre, sähen Kängurus eigentlich aus wie Rehe….aber ich glaube, bei Rehen sieht es nicht so lustig aus, wenn sie sich hinlegen :-). Und weiterer Punkt: Kängurus sabbern. War kaum noch möglich, Fotos zu machen, da die Hände vom Füttern so vollgespeichelt waren. Aber hey, zumindest haben sie ein Fell zum Abwischen….so schließt sich der Kreis wieder :-). Hach, ich freu mich schon auf die nächsten Kängurus. Nach diesem Abstecher ging es zurück zu den Koalas und ich hatte endlich einen zum Anfassen. Ryan, so sein Name, hat allerdings gar nicht (wie im Reiseführer angekündigt) wie ein großes Hustenbonbon gerochen… zumindest riechen Eukalyptus und dementsprechend auch die Bonbons für mich anders. Aber es war prima. Nächstes Mal ziehe ich allerdings nichts Schulterfreies an, denn so liebevoll und friedfertig Ryan auch war, Koala-„ich komm jeden Baum hoch“-Krallen können ganz schön pieksen. Auch wenn der Rest so weich ist. In jedem Fall ein tolles Erlebnis (eine Auslese der besten Fotos hier). Auf dem Rückweg von der Loriket-Fütterung war dann auch endlich mal ein Wombat wach *freu*. Die fetzen, nicht nur in Kinderbüchern. Ich weiß jetzt gar nicht, was mir am liebsten ist. Wombat, Känguru und Koala sind irgendwie alle gleichtoll und stehen auf meiner Hitliste ganz oben. Naja, jetzt kann ich den Punkt „einheimische Tiere gucken“ fürs Erste abhaken. Mal schauen, vielleicht fahre ich in nächster Zeit ja auch noch mal in den Australia Zoo von Steve „trau keinem Rochen“ Irving. Aber dazu muss erstmal wieder ein wenig Kohle reinkommen. Im Moment ist mein Kontostand ein wenig traurig zu beobachten, wird nur weniger statt mehr. So eindirektional bin ich das gar nicht mehr gewöhnt. Aber spätestens am Freitag geht’s ja los mit Arbeit. Dann ist mein erster Tag im Black Forest und ich kann pünktlich zum Oktoberfest ins Dirndl schlüpfen (jaja, Fotos kommen). Am Freitag will mir Richard – der Chef – erstmal zeigen, wie man Bier einschenkt. Heimatland, was ein Spaß. Ich rechne also spätestens eine halbe Stunde nach Dienstantritt mit einer Beförderung, weil ich ja so begabt bin ;-). Vielleicht geht es aber schon Mittwoch mit Maloche los, habe ja noch das Cafe an der Hand und warte morgen auf den Anruf, wann ich eingeteilt bin. Letzten Donnerstag, wo ich das erste Mal reingeschnuppert habe, war es eigentlich sehr lässig, nettes Bistro und gar nicht weit. Wenn das klappt mit beiden bin ich erstmal unter. Dann halt The Jazzy Cat Café unter der Woche und Black Forest am Wochenende. Mal schauen, wie sich das entwickelt. Achja, ich bin noch gar nicht auf das Köstritzer eingegangen, ein weiterer Höhepunkt des Wochenendes. Ich war am Samstag Nachmittag zunächst mit dem Qasco-Team im Museum und habe mich ein wenig gebildet: Die Ursprünge der Vermessung in Australien. Das war nicht so öde, wie es vielleicht klingt sondern superinteressant und unterhaltsam, was allerdings in erster Linie an Bill, unserem Erklärbär (Vermesser und Historiker mit Leib und Seele) lag. Viele Geschichten aus dem Alltag der Vermesser seinerzeit und lustige Anekdoten zur Beschaffung der einzelnen Ausstellungsobjekte. Es war eine Freude, diesem Mann zuzuhören, so ein richtiger Märchenonkel mit Leidenschaft und ein wenig Ähnlichkeit zum Weihnachtsmann (habe leider kein Foto aber jeder weiß ja, wie der Weihnachtsmann aussieht ;-)). Und weil wir grad alle so schön beisammen waren, sind (v.r.n.l.) Kathi, Christian, Lee, Matt, Lees Verlobte (bin mir beim Namen nicht ganz sicher und will nix Falsches schreiben), Doreen, Paul (Wo ist eigentlich Paul? …auf diesem Foto) und ich noch zum Deutschen Turnverein auf ein kühles Blondes bzw. halt Köstritzer Schwarzbier. Soviel Reinheitsgebot und dass auch noch vom Fass….“heaven, I’m in heaven“ *sing*. Und so haben wir uns neben der Turnhalle am Stammtisch wiedergefunden. Alles in allem ein durchaus überdurchschnittliches Wochenende. In diesem Sinne: Mal schauen was die Woche bringt und: „O’zapft is!“

Sonntag, 16. September 2007

Botanischer Garten und Valley Fiesta

Melde mich aus einem ereignisreichen Wochenende zurück, für Langeweile blieb da keine Zeit. Freitag war allerdings mehr die Ruhe vor dem Sturm. Hatte am Nachmittag noch einen Termin zur Registrierung bei Adecco, der Jobvermittlung. War echt lustig, die haben mich gestestet auf Tippstärke, Word und Excel-Fähigkeiten, Dateneingabe und gewissenhafte Arbeitsweise. Bei Word und Excel gab es natürlich keine Probleme, auch wenn mir manchmal die Arbeitsanweisungen nicht ganz klar waren, lagen die Ergebnisse über dem Durchschnitt. An der Tastatur zeigten sich (wie erwartet ;-)) schon eher Schwächen (auch wenn ich nicht mehr „Ein-Hand-Becci“ bin, vom Zehn-Finger-System trennen mich noch Welten). Ich kann mich allerdings damit rausreden, dass die englische Tastatur ein wenig (eigentlich meine ich immens! :-)) von der deutschen abweicht, insbesondere das „Y“ ist Knackpunkt…wie oft musste ich das „Z“ (das hier an Stelle des Y liegt) wieder löschen. Hehe, bin gespannt, ob die was für mich finden. Ansonsten habe ich mich noch bei einer PR Agentur beworben, die Stellenausschreibung passt exakt auf mein Profil, aber die suchen erst für Oktober….naja, mal schauen. Dienstag gehe ich zudem ins „Black Forest“, ein recht bekanntes deutsches Restaurant in Brisbane, dass ich mir ergoogelt hatte. Und wie es der Zufall will, suchen die grad ne Kellnerin. Habe geschrieben, dass ich zwar keine ausgebildete Kraft bin, aber zumindest authentisch deutsch ;-). Seh mich schon im Dirndl durch die Gegend springen *lach*. Aber irgendwie gefällt mir die Vorstellung dieses Jobs auch, noch mal was anderes, das bestimmt viele interessante Situationen bereithält…. Freitag bin ich also, geschwächt von der Arbeitssuche *zwinker*, recht zeitig ins Bett. Samstag dann gleich früh mit Christian und zwei seiner Freunde zum Markt hier in West End, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Anschließend gab es Frühstück bei Tobias und Sonja (Tobi macht hier grad seinen Doktor in Psychologie und Sonja, seine Freundin und ebenso studierte Psychologin, arbeitet für die Uni). In dieser Konstellation sind wir dann auch zum botanischen Garten am Mount Coot-tha ein wenig außerhalb von Brisbane aufgebrochen, um dort ein wenig Pflanzen und Echsen zu gucken, Frisbee zu spielen und uns von Mücken aussaugen zu lassen, frei nach dem Motto: „German Buffet, help yourself“. Leider hatte ich aufgrund der Spontanität der Planung keine Kamera dabei, vielleicht bekomme ich noch die Bilder von Sonja und Tobi und reiche nach ;-). Samstag Abend war ich bei einer Ex-Arbeitskollegin (tatsächlich kannte ich Mathilde gerade mal zehn Minuten) zur Party eingeladen, sehr nett, sehr international. Franzosen, Australier, Spanier, Mexikaner, eine Luxemburgerin und Inder. Davon war einer sogar Brahmane, habe also in exklusiver Gesellschaft getrunken. So interessant das Kastensystem auch ist, für genauso sinnfrei halte ich es. War ein sehr netter und feucht-fröhlicher Abend was in einem tierischen Kopfaua am heutigen Morgen endete. Aber da war ich schon wieder mit Kathy fürs Valley verabredet. In dem Stadtteil, wo auch Chinatown von Brisbane liegt, ist am gesamten Wochenende Valley Fiesta gewesen, so eine Art Festival: Vier Bühnen mit Aufführungen (Aerobic, Bollywood, etc.) und lokalen Bands, die durchaus gängig waren (mein Favorit: Blackmarket Rhythm Company) plus Stände und allerlei lustige Menschen. War echt schön. Und jetzt bin ich ganz schön kaputt….

In diesem Sinne: Gute Nacht und bis bald.

Mittwoch, 12. September 2007

Wunder der Natur sind manchmal ganz schön zum Kotzen ;-)

Hui, bin gerade zurück aus dem Land der Träume. Nach diesem Tag musste erstmal ein kleines Nickerchen her, um wieder klarzukommen. Zuerst die schlechte Nachricht: Ich darf nicht noch mal umsonst aufs Boot bzw. auf den Katamaran. Die gute: Es war großartig! Einige Wale, Delfine, Hammerhaie und Riesenquallen. Einfach nur tolltolltoll. Habe endlich den ersten australischen Strand gesehen und was soll ich sagen: alle Bildbände und Reiseführer zeigen die Realität! Es war beeindruckend und wunderschön. Dazu top Wetter: Habe heute ganz schön was für den Urlaubsteint getan. Aber eins nach dem anderen. Vor dem Abenteuer stand ein grausames Aufstehen um sechs Uhr in der Früh, ich wollte ja schließlich auf keinen Fall den Bus verpassen. Ab da lief dann alles wie am Schnürchen, Greg (ein Hoch auf unseren Busfahrer) war überpünktlich am Start und los ging der Trip. Insgesamt sind wir zu fünft von Brisbane los. Neben dem Fahrer waren da noch Tracey und Tony, zwei verbandelte chinesische Austauschstudenten, und Helen aus Brunei. Alle drei sehr nette Menschen. Kurz nach zehn waren wir in Redcliffe und da ging’s auch gleich an Bord. Der Katamaran war relativ leer, ich schätze circa 150 Leute statt der möglichen 340. Also alles easygiong, wahrscheinlich sieht das am Wochenende ganz anders aus. Was mich am meisten gewundert hat: Im Gegenteil zu meinen Erfahrungen in Brisbane war ich die einzige Deutsche. Egal… Ab ging die wilde Fahrt. Zunächst einmal nichts als Quallen, manchmal so im Pulk, dass es schon bäh war. Dann näherten wir uns dem Walgebiet und jeder hielt Ausschau. Plötzlich waren erste „Footprints“ zu erkennen (hm, wie beschreib ich das am besten: man sieht halt an der Wasseroberfläche so Kreise, die auf Wale hindeuten) et voilá: Recht nah am Strand zeigte sich die erste allein erziehende Buckelwal-Mutti mit Kind. Es war recht schwer dran zu bleiben, so dass der Kapitän (diesmal Marc statt der viel gerühmten Kerry Lopez) entschied, die Fahrt wieder aufzunehmen zu Gewässern mit weniger Sandbänken ;-). Weise Entscheidung, denn schließlich war da ein neuer Wal, der bis wenige Meter ans Boot rankam. Und das Allerspannendste: Es war nicht einfach nur ein „schnöder“ Wal, sondern eine gerade werdende Mami. Wir sind mitten in die Geburt geplatzt. Wahnsinn. Nach der kurzen Überlegung meinerseits, was ich denken würde, wenn plötzlich 300 gespannte Augen verfolgen würden, wie ich mich mit den Wehen abquäle (ich würde ausflippen!!! ;-)), konnte ich es dann auch genießen, zumal die Werfende immer wieder die Nähe zum Boot gesucht hat. In regelmäßigen Abständen war sie da mit dem rausflutschenden Babywal. Die finale Trennung von Mutter und Kind blieb uns leider verwehrt, so eine Walgeburt dauert ja Stunden *klugscheißermodus* ;-). Passend dazu gab es dann auch gleich Mittag an Bord :-). Dies konnten allerdings nicht alle genießen. Plötzlich wusste ich, warum die Crew vorher so ein Gemehre um die Reisetabletten gemacht hat. Ich schätze mindestens zehn bis zwanzig Prozent der „Zeitmatrosen“ saßen in irgendeiner Ecke und lutschten abwechselnd Zitrone und erleichterten sich in eine Tüte. Und ich muss sagen, zwischenzeitlich hüpfte mein Magen auch ein wenig, ich weiß allerdings nicht, ob es wirklich an dem Wellengang lag (der das ruhende Schiff ordentlich durchschaukelte) oder am Anblick der speienden Masse. Draußen ging es dann wieder, aber im Inneren des Katamarans…uiuiuiui. Naja, habe alles bei mir behalten und dann auch wieder Spaß gehabt. Sind noch ein wenig an der Küste von Moreton Island entlang (ähnlich wie Fraser Island eine reine Sandanhäufung) und waren pünktlich um kurz vor drei mit ganzen vielen Eindrücken und Fotos zurück in Redcliffe, wo schon wieder Greg auf uns wartete. Alles in allem ein unvergessliches Erlebnis, da hat der Prospekt nicht gelogen. Freue mich schon auf den nächsten Ausflug zur Küste, wann immer der auch sein mag.


Achja, hier noch der Spruch des Tages von gestern, den ich mir eingeprägt habe (bei Citycat im Animationsprogramm):

Keep a green tree in your heart and
maybe a bird will come and sing.
(Chinese Proverb)

Dienstag, 11. September 2007

Whale Watching on Wednesday

Hach, isch bin so uffjeregt....morgen geht's aufs Boot, Wale kucken. Heute gebucht, die Zeit rennt ja. Die guten Säugetierchen sind wohl nur noch im September definitiv zu betrachten. Aber mein Captain, die Kerry Lopez, gibt derzeit noch Walgarantie. Wenn sich morgen keiner von den Dicken sehen lässt, darf ich nochmal umsonst mit. Das ist der Deal. Aber das wird schon. Und morgen (spätestens übermorgen) gibt's dann Bilder. Heute war ein superschöner Tag. Ich bekomme langsam Farbe, obwohl ich schon darauf achte, mich nicht in der prallen Sonne aufzuhalten. Wie ihr seht, genieße ich derzeit ein wenig (sehr) das Nichtstun. Mein Ansprechpartner bei IBM ist grad auf Dienstreise in Indien und erst nächste Woche wieder da (habe ich gestern von der Kollegin am Telefon erfahren). Mal schauen, vielleicht ist ja dann ne Möglichkeit. Will das erstmal abwarten und nix mehr überstürzen. So Essen ist fertig ;-). Christian hat für mich gekocht: Good boy.

Bis bald, dann mit Walreport.

Sonntag, 9. September 2007

Flipflops im Regenwald

Nein, ich bin nicht durchgedreht, noch nicht! ;-).…..die Überschrift fasst nur am besten den heutigen Tag zusammen. Nachdem dieser erst relativ spät und lahm begonnen hat, konnte ich doch noch das Beste draus machen. Dabei sah es anfangs gar nicht danach aus. Der Pokerabend ist ganz schön ausgeartet, ich war erst kurz vor vier daheim und ziemlich gut dabei. Inzwischen kenne ich wohl ALLE Biersorten, an den Geschmack kann ich mich aber leider nicht mehr erinnern ;-). Heieiei, was `ne Sause. Pokern fetzt und gottseidank war neben sieben Deutschen auch noch ein Ire (Mitbewohner von Paul, dem Gastgeber) mit am Start, es wurde also Englisch gesprochen bzw. (zu späterer Stunde) gelallt. Somit kenne ich jetzt den ersten Anwalt hier vor Ort (Donald arbeitet in Brisbane am Gericht, links im Bild), was ja nie verkehrt sein kann. Vielleicht muss ich ja nächste Woche schon die Mojos verklagen, wenn Sie die Bezahlung für das Training nicht rüberwachsen lassen. Ich bin gerüstet, kommt nur und legt euch mit der kleinen, „zu netten“ Deutschen an! Ich gleite ab vom Thema….also wie auch immer, vor halb zwölf war heute nix zu machen. Und da Christian ja lieber Fußball spielen wollte als Rebecca die Gegend zu zeigen, bin ich nach dem Frühstück gegen halb zwei also allein losgestiefelt. Schöner Spaziergang in die Stadt, dann ein wenig Shopping, wobei ich auch eben besagte Flipflops für die Wohnung, sozusagen Flipflop-Schluppen, erstanden habe. Und eine „Work-out“ Hose des australischen Textilherstellers Billabong (kenn ich sonst ja nur aus dem Sport-Scheck), die mir allerdings in erster Linie zum Herumasseln auf der Couch dienen wird. Sport wird eh überbewertet. Aber bequem ist sie. Nach dem Bummel durch die Geschäfte bin ich dann noch durch den botanischen Garten, hier kommt der Regenwald ins Spiel ;-). Sehr schön das alles. Und ich habe auch Fotos gemacht, zumal heute echt wieder das Wetter dafür war. Noch ein wenig am Fluss lang gewandert, dann zum Citycat, so heißen die Boote des lokalen Nahverkehrs, und ab nach Hause. Jetzt wird noch ein wenig telefoniert und die Weihnachtstour geplant und morgen geht es nach der Hausarbeit an die Jobsuche. Erst rufe ich mal bei IBM an und höre, ob sich da was tut. Ansonsten habe ich ja am Samstag schon die Stellenanzeigen durchforstet und eine ziemlich coole Bar gefunden, die Personal sucht. Da bin ich heute schon vorbei, war aber nicht in der Mood für Vorstellungsgespräche. Aber sehr chillig mit Top-Lage und gehobenerem Preisniveau. Halt so ein Ort, wo ich immer hingehen würde, wenn ich erst CEO meines kleinen Medienimperiums bin :-). Das schau ich mir dann morgen noch mal an. Achja, was ich noch konstatieren muss: Die Australier haben das Eismachen echt drauf. Bin bisher nie enttäuscht worden, einfach lecker. Heute habe ich auch am „Australian“ halt gemacht, das ich ja schon aus PRdual-Zeiten kenne. Für die Insider: Das Eis ist hier noch teurer, aber genauso lecker. Also, wenn ihr mal in Heidelberg seid, wenn ihr es schon nicht hierher schafft, geht in der Hauptstraße ins „Australian“, ihr werdet es nicht bereuen.




Achja: Wer ist eigentlich Henry?

Samstag, 8. September 2007

Kündigung, Modern Art und australische Biere

Seit gestern gehöre ich nicht mehr zur Mojo Group. Dabei hat es soviel Spaß gemacht *zwinker*. Nee, mal ehrlich. Gestern war die Kündigung endgültig nicht mehr zu vermeiden, nachdem ich tagsüber wieder gemerkt habe, dass das echt nix für mich ist. Halb fünf hatten wir dann noch ein PreMan-Meeting (Pre-Management), wo das System vorgestellt wurde. Ich gebe das jetzt mal kurz für euch wieder in den jeweiligen Entwicklungsstufen:

1. Sechs-Tage-Training => Merchandiser

Dauer: 6 Tage, Einkommen: $ 400-600 pro Woche, Voraussetzung: Verkaufseinstellung, Basiswissen

2. Merchandiser => Leader

Dauer 2-3 Wochen, Einkommen: $ 600-800 pro Woche + 5 Prozent des Verdienstes des selbst rekrutierten Nachwuchses, Voraussetzungen: Führungsmentalität, 15 Verkäufe in einer Woche oder vier Verkäufe an drei Tagen in Folge

3. Leader => Crew Manager

Dauer: 3-6 Monate, Einkommen: $ 800-1200 pro Woche + 10 Prozent des Verdienstes des selbst rekrutierten Nachwuchses, Voraussetzungen: 3 selbst rekrutierte Leader

4. Crew Manager => Assistant Owner

……..und so weiter und so fort, bis man irgendwann Herrscher der Welt ist und Kohle ohne Ende scheffelt……das absolute Schneeballsystem! Feine Sache, so wie sie sich das vorstellen. Hat auf die ganzen Teenies auch unheimlich Eindruck gemacht, sie hatten die Dollarzeichen in den Augen und die 60-Stunden-Woche war vergessen. Bei mir hat das nicht ganz so gewirkt, schade eigentlich, schließlich bin ich reines Kapital und sollte nicht denken, wie es sich für moderne Sklaven auf Kommissionsbasis gehört….

Heute war ich mit Kathy und ihrer Schwester unterwegs, unter anderem in der Gallery of Modern Art. Sehr bunt sag ich da nur. Und viele abgespacte Aboriginee-Sachen. Neu-Interpretationen der Kultur un Zeuch….psychadelisch halt. Anschließend noch auf ein Bierchen ins Fox, seeeehhhrrrrr coole Kneipe mit Dachterasse und Blick zur Skyline.

Hm, bei dem Bild fällt mir auf, dass ich die Kamera immer dann dabei habe, wenn ich auch diese Klamotten habe......dabei ist mein Kleiderschrank ja gar nicht so rudimentär...Anyway.

Habe inzwischen 4 lokale Bierspezialitäten probiert: ExtraDry von wasweißichwoher, Cascade aus Tasmanien, VB aus Victoria und heute dann auch XXXX von der brisbaneschen Brauerei. Auch wenn mich Insider jetzt vielleicht hauen, aber das ge-ixte hat mir bis jetzt am besten gemundet. Vielleicht liegt es aber auch, dass es das erste Fassbier war und der Rest aus der Flasche kam. Hm, werde mich weiterhin intensiv der Feldarbeit widmen und euch darüber auf dem Laufenden halten. Es lebe die Empirie!

Jetzt nach meinem Eierbrot ;-), njom, mach ich mich auf zur Fähre und treffe mich mit Christian und Kollegen zum Poker-Spielen. Meine Güte, worauf habe ich mich da eingelassen….wenn ich bald wieder vor euch euch stehe, wisst ihr, dass sie mich ganz schön abgezogen haben. Naja, Einsatz sind 10 Dollar, das hält den Verlust hoffentlich im Rahmen. Wird sicher lustig, wenn auch nicht ganz so international. Sind wohl nur Deutsche, naja, irgendwas ist ja immer ;-). Morgen will ich in den botanischen Garten, aber wer weiß….ich jetzt ja so spontan ;-). Werde berichten, egal wie es endet. Schönes Wochenende.

Mittwoch, 5. September 2007

Babyboom in Ozzyland und weitere Lach- und Sachgeschichten

Und hier wieder die prägendsten Erlebnisse der letzten Tage: Eine meiner neuesten Erfahrungen Down Under ergibt sich bereits aus der Überschrift. Ihr könnt es mir glauben, so viele kleine Kinder und schwangere Frauen auf einmal habe ich noch nie gesehen. Nach meinen tagtäglichen Beobachtungen in den Einkaufszentren muss die Bevölkerungspyramide hier das genaue Gegenteil der deutschen sein. Von wegen Rentnerschwemme, da könnte Riester lange quasseln….langsam drängt sich mir der Verdacht auf, dass die Aussies die meiste Zeit in der Kiste oder auf der Entbindungsstation verbringen. Nur so ist erklärbar, dass 80 Prozent der Mädels in meinem Alter im Schnitt schon mindestens zwei Kinder haben. Was hier an dicken Bäuchen und Kinderwägen durch die Gegend schwirrt…nicht zu fassen! Sehr krass ist allerdings auch, wie nah arm und reich hier bei einander liegen (ok, wahrscheinlich kein Vergleich mit irgendwelchen Dritte-Welt-Ländern, aber schon auffällig). An der einen Stelle noch die absolute Elitenzusammenrottung, sieben Kilometer weiter ist man schon froh, wenn die Leute nicht alle barfuß rumrennen. Der helle Wahnsinn. Der Unterschied drückt sich meiner Meinung nach am deutlichsten in der Mundhöhle aus. Zähne sind der absolute Indikator für die Lower und Upper Class. Unglaublich, was für schlechte Zähne bereits die kleinen Kinder der „mieseren“ Viertel haben. In dieser Hinsicht verdanke ich meiner derzeitigen Beschäftigung echt einige Einblicke in das wahre Leben der australischen Großstadt. Nichtsdestotrotz wird immer deutlicher, dass der „Vertrieb“ nix für mich ist. Da fehlt mir wohl einfach die Überzeugung, dass Richtige zu tun (hier nennen sie das „Biss“ ;-)). Ich bekomme jeden Tag meine Beurteilung und jedes Mal fällt das Resümee (egal von welchem Leader) gleich aus: Sei nicht so nett! Dass nenn’ ich mal ne Aussage! Werde immer mit diesen Worten verabschiedet: „Be a bitch!!!“ (für Freunde des Deutschen: Sei ein Luder!). Aber es ist nun mal einfach so, dass ich jeden verstehen kann, der nicht gleich unterzeichen will, weil er erst drüber nachdenken muss. Würde ich nicht anders machen, daher ist es mir an dieser Stelle nicht möglich, zur Blutgrätsche anzusetzen und den Kunden zur Unterschrift zu bringen. Ich gehe stark davon aus, dass ab morgen die letzten beiden Tage meines kurzen Ausflugs in die Welt unabhängigen Verkäufer laufen. Nächste Woche werde ich dann in Ruhe nach was anderem schauen. Eine lustige Geschichte habe ich aber noch: Erinnert ihr euch an die Zeremonie „Ring the bell“? Mir ist da so was Peinliches passiert. Dienstag war es wieder soweit: Kreis, Gong, Glocke und Rebecca mit dem Gefühl, dass sie an der Reihe ist. Will ja nicht unbedingt negativ auffallen durch Verweigerung, also total euphorisch hin, wild geläutet und souverän abgeklatscht. ABER: Hier noch mal die Regeln, nachdem auch ich sie verstanden habe. Recht zum Gongen hat jeder, der am Tag zuvor sechs Verträge zu Stande gebracht hat. Klingeln gilt für diejenigen mit vier Verkäufen und für die Frischlinge, wenn sie den ersten Verkauf hinter sich haben, das Eis also gebrochen ist (letzten Donnerstag fiel ich ja noch in die letztgenannte Gruppe). Jetzt fragt mich mal, was das für ein Gefühl ist, wenn man im Nachhinein mitbekommt, dass man gar nicht dazu berechtigt war, die Glocke zu läuten (ich hatte am Tag zuvor einen! lausigen Vertrag und das auch nur, weil jemand anders im entscheidenden Moment des Kundenfangs für mich eingesprungen ist). Das hat im Nachhinein dann auch die verwunderten Blicke aller anderen bei meinem „Triumphzug“ erklärt ;-). Und auch an dieser Stelle danke ich der Natur, dass sie mich mit der Gabe der Selbstironie gesegnet hat. Dankedankedanke.

Wie ihr seht, birgt jeder Tag neue Überraschungen. Für das Leben lerne ich! Man könnte die Reise hierher fast schon als spirituell bezeichnen ;-). In jedem Fall bekommt man eine ganz andere Sicht der Dinge. Achja, was mir in den letzten Tagen auch immer wieder aufgefallen ist wie in keinem anderen Land zuvor: Sehr häufig kommt das Thema auf den zweiten Weltkrieg, wenn man als Deutsche erkannt wurde (und mein Akzent lässt sich nun wirklich nicht verbergen). Dieses Kapitel der Weltgeschichte samt der Rolle, die Deutschland dabei gespielt hat, scheint hier recht präsent zu sein. Zudem gelten die Deutschen aber auch allgemein als zuverlässig, diszipliniert und schnell….naja, immerhin etwas ;-). Ich hoffe, das hilft mir bei der weiteren Jobsuche.

Fortsetzung folgt….

Samstag, 1. September 2007

Da steh’ ich nun, ich armer Tor und bin nicht schlauer wie zuvor…

Es ist Samstag, dreiviertel acht am Morgen (ich schreibe den Bericht vor, da ich ja leider über keine Flatrate mehr verfüge: also wundert euch nicht, wenn die Blog-Zeit abweicht). Nachdem ich eine geschlagene Stunde probiert habe, noch mal wegzupennen, kapituliere ich nun endgültig und wende mich gleich den essentiellen Dingen zu. Hier also der aktuelle Bericht: Wohnung toll, Mitbewohnerin supernett, Wetter gut und zu allem anderen komme ich gleich ausführlicher. Und los geht’s, ich hoffe, ihr seid bereit und angeschnallt, dass wird wieder ziemlich viel Text. Am Montag startete mein 6-Tages-Training bei der Mojo Group. Nach zwei Beschnupperrunden in der Woche zuvor, hatte ich mich also qualifiziert, an der „Gehirnwäsche“ teilzunehmen. Zunächst standen zwei Tage Produkttraining auf dem Programm, ein Tag davon war auch wirklich ganz gut, den anderen konnte man inhaltsmäßig knicken. Da wird echt viel Geld zum Fenster rausgehauen. Zu viele Typen die eigentlich gar keinen Plan haben, Fragen nicht beantworten aber schlicht und einfach da sind und bezahlt werden (habe das natürlich auch gleich angemerkt, Prozessoptimierung und so *zwinker*). Nunja, mit einem gesunden Halbwissen, das für den Job eigentlich tödlich ist ;-), ging es am Mittwoch ins Feld. Und da kann man wirklich was lernen, in jeglicher Hinsicht. Hier sind ja alle so motiviert…das geht früh am Morgen schon los mit dem Teammeeting. Alle stehen im Kreis, klatschen und tanzen nach dem Beat, der gerade da ist, und feiern sich gegenseitig. Ab und zu machen sie auch lustige Spielchen wie die Reise nach Jerusalem (in etwas abgeänderter Form ohne Stühle) oder vollführen Rituale wie „ring the bell“. Das muss ich genauer erklären, da dieses Erlebnis gestern echt einschneidend war. Da werden in ein paar Jahren meine Therapeuten viel Geld mit verdienen….Also: Wir stehen alle noch in dem Kreis der Selbstbeweihräucherung und in der Mitte ist ne Glocke und ein Gong. Jetzt muss nacheinander jeder einzeln zu diesen „Instrumenten“ rennen, sie läuten oder schlagen (läuten für Verkauf generell, gongen bei Überschreiten gewisser Zielvorgaben), und anschließend total enthusiastisch durch den Kreis rennen und die Kollegen (circa 30) abklatschen…..Ja, das habe ich gestern gemacht….so albern kam ich mir wohl noch nie im Leben vor. Während man bei dem ganzen anderen Ringelpietz als gebildeter, „ausgewachsener“ (der Altersschnitt des Teams liegt bei circa 21 Jahren) Europäer noch amüsiert von außen zuschauen kann, wird man in diese Situation regelrecht reingenötigt. Nunja, mit der entsprechenden Portion Zynismus ist auch das zu überwinden, hoffe ich *bibber*. Wenn diese Prozeduren erstmal überstanden sind, geht es an die eigentliche Arbeit. Jeden Tag führt der Weg in eine andere Mall (auch bekannt als Einkaufszentrum). Dort dann Stand aufbauen und Leute anquatschen. Hier bin ich echt ein wenig gehandicapt. Was ich im Deutschen möglicherweise souverän gehandhabt hätte, ist auf Englisch ‚ne echte Herausforderung. Da bin ich einfach nicht spontan genug…und den Leuten hinterher zu brüllen “Ey, kommt zurück, ich weiß jetzt, was ich sagen will….!“ ist ja auch nicht wirklich erfolgsversprechend. Zudem verstehe ich manche Passanten auf die Entfernung auch oft nicht (insbesondere wenn die Kaufhausdudelmusik voll aufgedreht ist) und kann dementsprechend nicht in meiner gewohnt liebenswürdigen Art reagieren. Das nervt mich selbst am meisten!!! Ich bin mir auch generell nicht sicher, ob ich in dieses Team passe und es das ist, was ich will. Habe inzwischen aufrichtigen Respekt vor jedem Vertriebler, diesen Job muss man echt lieben, sonst hat man verloren. Mir graut derzeit davor, jemandem etwas zu verkaufen, worüber ich nicht eloquent genug Auskunft geben kann. Beim Kundengespräch kommt es ja auch echt auf Feinheiten der Wahrnehmung und Kommunikation an, in der „fremden“ Sprache bin ich dabei ganz schön aufgeschmissen, es kommt noch erschwerend hinzu, dass ich im Produktwissen nicht fit genug bin, habe schließlich vor 7 Tagen das erste Mal überhaupt von Optus gehört. Derzeit ist es eher so, dass ich mich davor fürchte, Verträge abzuschließen und Leuten etwas „aufzuschwatzen“. Echt geniale Einstellung bei dieser Sache! ;-). Alleine wäre ich wohl echt verloren und das „betreute Arbeiten“ endet mit dem Training am Montag. Dann bin ich echt im Dilemma. Einerseits kann man ganz gutes Geld machen, wenn, ich betone WENN!, der Erfolg da ist. Zudem lernt man wirklich einiges. Aber es steckt auch ne Menge Arbeit dahinter. Es ist ein Zwölf-Stunden-Tag (von 7 a.m. bis 7 p.m.) und es wird auch Arbeit am Samstag erwartet (sie nennen es „Empfehlung ;-)). Ich bin ja von IBM durchaus Überstunden gewöhnt, aber das finde ich doch ein wenig viel. Schließlich bin ich nicht nur zum Arbeiten hier. Naja, dass ich nicht ganz die Richtige für den Job bin, ist den anderen vielleicht ja auch schon aufgefallen. Montag muss ich eh noch ´nen Test machen, vielleicht sprechen sie mich dann darauf an. Wenn nicht muss ich selbst mit meinen Bedenken rausrücken. Will ja wirklich keinen enttäuschen, insbesondere nicht Dan, der mich für dieses bezahlte Training empfohlen hat (ich hoffe, ich werde noch bezahlt), aber ich zweifle echt daran, dass ich ein Gewinn für die Firma bin. Das muss ich mir am Wochenende alles noch mal durch den Kopf gehen lassen. Montag probiere ich mich in jedem Fall noch mal aus, um das Training abzuschließen. Die Leute sind ja auch sehr nett, waren gestern nach der Arbeit in kleinerer Runde noch etwas trinken und das war wirklich ganz normal und entspannt….hach, ich bin so unentschlossen…..

Jetzt aber mal zu den wirklich angenehmen Ereignissen der letzten Tage. Christian ist zurück und wir gehen heute zum Riverside Festival. Vorher holt er mich noch zum Großeinkauf ab, dass ich endlich mal einen Nahrungsgrundstock aufbauen kann. Meine Wohnung (am Dienstag war der Umzug) finde ich nach wie vor super, Kathy ist auch ne ganz angenehme Zeitgenossin (siehe dazu die Bilder). Ansonsten werde ich das Wochenende nutzen, um das erste Mal zu waschen, noch ein wenig organisatorischen Kram zu erledigen, mich zu entspannen und doch noch mal die Optus-Produktpalette zu überfliegen für Montag, auch wenn ich auf meinen Wegen immer schon die Augen nach `nem anderen Job aufhalte. So, jetzt muss ich mal in die Gänge kommen. Achja, Frage an die Experten. Habe mir ein Dial-Up Paket gekauft, um ins Internet zu kommen. Das klappt auch alles ganz gut, allerdings kann ich keine Mails mehr versenden. Wisst ihr, woran das liegen könnte? Sonst ist das mit dem Kontakthalten echt doof ;-).